Ramadan

Nach einer sehr trüben und tristen Osterzeit, empfangen auch Muslime mit sehr gemischten Gefühlen und tiefer Betrübtheit den Fastenmonat Ramadan. Wie Ostern ist auch der heilige Monat Ramadan ein religiöses Hochfest, das in der Gemeinschaft über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg gefeiert wird. Während der Corona-Pandemie fallen diese Feierlichkeiten zur Eindämmung des Virus aus. Ostern wurde im engen Familienkreis gefeiert, das gleiche Schicksal erwartet nun auch Muslime im Ramadan.

Der Fastenmonat Ramadan stellt neben dem Verzicht auf Essen und Trinken auch einen wichtigen Anlass dar, den Dialog von Menschen unterschiedlicher religiöser oder auch areligiöser Überzeugung zu fördern und sie an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Denn der Fastenmonat ist nicht nur eine innermuslimische sondern auch eine konfessionsübergfreifende Zeit der Begegnung.

Durch direkte Begegnung von Bürgerinnen und Bürgern unterschiedlicher Konfessionen trägt das Fastenbrechen dazu bei, gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden und eine Kultur des gegenseitigen Verständnisses und Dialogs über religiöse Grenzen hinweg zu erzeugen. Im Fastenmonat Ramadan zeigen sich Muslime von ihrer äußerst gastfreundlichen Seite. Familie, Freunde und Nachbarn werden nach Hause eingeladen. Es wird feierlich gegessen und ausgetauscht. Der gesellschaftliche und soziale Zusammenhalt spielt in diesem heiligen Monat eine wichtige Rolle. Das Fastenbrechen soll nicht im stillen Kämmerlein stattfinden, sondern in Begleitung von anderen Menschen.

In Zeiten von Corona und der sozialen Distanz sind diese Begegnungen nicht möglich. Das Zusammenkommen mit Freunden, Familie und Nachbarn fällt aus. Es wird nur im engen Familienkreis das Fasten gebrochen. Auch wir als Verein mussten schweren Herzens alle großen interkulturellen Fastenbrechenabende, die wir in den letzten Jahren erfolgreich in mehreren Städten veranstaltet hatten, zur Eindämmung des Virus absagen.

Nichtsdestotrotz sollte nun während des Ausfalls des physischen und feierlichen Zusammenkommens eine andere Facette des Fastens in den Vordergrund rücken, nämlich die der inneren Einkehr und des Gebets. Besonders im Ramadan werden Muslime aufgerufen über ihre schlechten Angewohnheiten, über den tieferen Sinn des Lebens und über ihre Rolle im Universum zu reflektieren. Welche Verantwortungen des Menschseins erfülle ich? Wie ernsthaft und pflichtbewusst ist mein Bezug zu meiner Umwelt und Nachbarschaft? Vertiefe ich mich mit der Essenz des Lebens? Wie gehe ich mit dem Geschenk Gottes um? Kurz zusammengefasst, die Zeit der sozialen Distanz während Corona sollte dazu verhelfen, eine spirituelle Nähe zu den wesentlicheren Dingen im Leben aufzubauen und zu Selbstbesinnung in diesen turbulenten Zeiten zu gelangen.

Lassen Sie uns gemeinsam aus der Zeit der sozialen Distanz eine spirituelle Vertrautheit zu allen Menschen und zu unserer Umwelt aufbauen. Interkulturelle Begegnung findet im Ramadan 2020 nicht physisch statt, sie verlagert sich auf eine spirituelle Ebene. Nicht nur Fastende im Ramadan teilen das gleiche Leid, sondern die gesamte Menschheit. Wir begegnen uns im selben Schicksal, aber nur durch Solidarität bewältigen wir diese Krise.

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Aufgrund der Corona-Pandemie werden in diesem Jahr alle Iftar-Abende abgesagt:

In Erwitte am 28.04.2020

In Soest am 05.05.2020

In Paderborn am 06.05.2020

Im Kreis Höxter am 08.05.2020

Am 04.06.2018 wurde im großen Saal der Kulturwerkstatt das gemeinsame Fastenbrechen mit Mitgliedern und Freunden unseres Vereins gefeiert. Knapp 150 Personen folgten einem kleinen Vortrag, in welchem zunächst der Verein WiKult e.V. und seine interreligiöse und interkulturelle Arbeit vorgestellt wurde. Bevor gegen ca. 21:45 Uhr gemeinsam das Fasten gebrochen wurde, erfolgte eine Präsentation zur Bedeutung des Fastenmonats. Eine kleine Ney-Vorstellung begleitete den Abend.
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Das Besondere im Jahr 2019 war, dass uns zahlreiche Anfragen von geflüchteten Menschen erreicht haben, die den Verein darum baten, sie personell bei der Organisation eines Fastenbrechenabends in ihrer jeweiligen Gemeinde zu unterstützen. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Verein und den geflüchteten Menschen, deren Integrationsbereitschaft, Engagement und Offenhei gegenüber der deutschen Kultur beispiellos ist, entstanden zahlreiche interreligiöse und interkulturelle Abend.

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Der letzte Tag der Fastenzeit wurde mit Mitgliedern des Vereins in Lippstadt und zahlreichen Gästen am 03.06.2019 bei Cabri's Cuisine gefeiert.